Döppersberg — eine verpasste Chance

Döppersberg — eine verpasste Chance

Freitag, den 25. März 2016 um 11:55

Die Stadt Wuppertal ist gerade dabei, die einmalige Chance zur historisch genauen Rekonstruktion des Hauptbahnhofs am Döppersberg, eines »Wahrzeichens von nationaler Bedeutung« (Frankfurter Allgemeine Zeitung), zu verspielen.

Dazu erklärt der Vorstand der WUPPERTALBEWEGUNG e.V:

»Unser Verein wird in der Öffentlichkeit überwiegend mit dem Bau der Nordbahntrasse in Verbindung gebracht. Zu unseren Satzungszielen gehört aber auch die Mitwirkung bei Fragen des Schutzes und der Pflege der Denkmäler in unserer Stadt. Dies gibt uns Veranlassung, zu der geplanten Gestaltung der Fassade am Hauptbahnhof wie folgt Stellung zu nehmen:

Im Interesse Wuppertals muss der älteste noch genutzte Großstadtbahnhof Deutschlands durch eine denkmalgerechte Restaurierung wieder als kostbares Gebäude im Stadtbild wirksam werden. Er ist

  • ein Beispiel für die Geschichte der Stadt,
  • und die frühe Eisenbahngeschichte,
  • hochwertige klassizistische Architektur,
  • ein Bauwerk der Industriekultur,
  • ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung.

Die großzügige Planung für den Umbau des Döppersbergs wurde durch die Verschiebung des Investorengebäudes nachteilig verändert. Die Wirkung des historischen Bahnhofsgebäudes wird dadurch stark geschwächt. Eine glatte Sandsteinfassade mit harten Rechtecköffnungen anstelle der ursprünglichen Rundbögen würde diesen negativen Effekt weiter verstärken. Auch deshalb ist es wichtig, dass das Gebäude mit seiner hochwertigen ursprünglichen Gestaltung von 1848 im Stadtbild wieder voll zur Geltung kommt.

Gebäude mit hervorragender klassizistischer Architektur wie das Von-der-Heydt-Museum, die Laurentiuskirche, das Haus der Familie von der Heydt am Laurentiusplatz und ein denkmalgerecht restaurierter Hauptbahnhof tragen zur Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt bei und sind wichtige Anziehungspunkte für Besucher Wuppertals.

Im vorliegenden Fall setzen sich viele Bürger mit Engagement und Sachverstand ein, um einem einzigartigen Denkmal die ursprüngliche Gestalt zurückzugeben und somit seine Wirkung im Stadtraum wieder herzustellen und der Stadt zu einem Leuchtturmprojekt zu verhelfen. Unterstützt werden sie dabei vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege, vom Bergischen Geschichtsverein und weiteren Experten. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz spricht sich für die Wiederherstellung nach historischem Vorbild aus. Als sich nach dem Abriss der Vorhalle zeigte, dass — entgegen der früheren Annahme — noch ursprüngliche Teile der Gebäudefront erhalten sind, hat auch die Obere Denkmalbehörde bekundet, dass sie einer Teilrekonstruktion nach historischem Vorbild zustimmen würde.

Die Mehrkosten für die neu anzubringenden Sandsteinelemente mit den Gesimsen und Zierelementen nach historischem Vorbild würden sich auf ca. 300.000 Euro belaufen, so eine jüngst durch Sachverständige erstellte Schätzung. Dies wären weniger als ein Prozent der schon bisher beschlossenen Mehrkosten für den Döppersberg.

Strengste Maßstäbe werden durch die Stadt an Denkmäler privater Eigentümer gestellt. Das Gleiche können die Bürger auch von der Stadt erwarten — bei dem aktuell wichtigsten Denkmal der Stadt, dem historischen Bahnhofsgebäude Döppersberg.

Wuppertal, den 23. Februar 2016,
Dr. Carsten Gerhardt, Burkhard Clingen, Lutz Eßrich, Dietrich Böttcher, Matthias Kreysing«

Die Initiative »Großer Bahnhof Wuppertal« ruft dazu auf, die von der Initiative gestartete Petition zu unterschreiben — online oder in Papierform — und möglichst viele weitere Unterzeichner zu gewinnen. Unterschriftenlisten können Sie hier herunterladen.

Foto: Louis Stüting

von Claus-Jürgen Kaminski