Lückenschluss mit Hindernissen: Brücke Bracken eingehängt

Lückenschluss mit Hindernissen: Brücke Bracken eingehängt

Freitag, den 24. April 2015 um 20:00

Die wichtigste Nachricht vorweg: Die Brücke Bracken sitzt! Nach einem nervenaufreibenden Tag für Beteiligte und Zuschauer hat die 30 Tonnen schwere Konstruktion ihren Bestimmungsort erreicht – ein wichtiges Bindeglied, das endlich die durchgängige Nutzbarkeit der Nordbahntrasse auf 23 Kilometern herstellt und darüber hinaus die Radverkehrsanbindung Wuppertals an die gesamte Metropole Ruhr ermöglicht.

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Der Transport kurz vor der Abfahrt. Foto: Fa. Graf

Aber der Reihe nach: In der Nacht vom 22. auf den 23. April hatte der Spezialtieflader mit der kostbaren Fracht vom Werksgelände der Firma Graf in Weinböhla bei Meißen die knapp 550 Kilometer lange Fahrt nach Wuppertal angetreten. Das über 42 Meter lange, 4,40 Meter hohe und 4,80 Meter breite Gefährt mit einem Gesamtgewicht von 91 Tonnen durfte nämlich nur nachts zwischen 23 Uhr und 5 Uhr auf den Autobahnen fahren.

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Brücke Bracken auf der A46 gestrandet. Foto: C. Gerhardt

Um 7 Uhr sollte der Transport am Freitag, 24. April, in Wuppertal-Nächstebreck eintreffen, der Einhub war für 11 Uhr vorgesehen. Doch die prekäre Verkehrssituation in und um Wuppertal holte den Fahrer unvermittelt ein: Auf der A46, Höhe Varresbeck, war für den Brücken-Konvoi erst einmal Schluss – er blieb gegen 2:30 Uhr morgens in der Großbaustelle stecken. Das zuständige Transportunternehmen habe sich scheinbar nicht ausreichend über die Gegebenheiten der engen Baustelle informiert, gab die Verwaltung bekannt. Der Verkehr fließt dort einspurig.

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Gegen 13 Uhr setzte sich der Konvoi wieder in Bewegung. Foto: W. Grese

Mit Hilfe von Straßen.NRW wurden gegen 11 Uhr die Absperrungen und Beschilderungen im Baustellenbereich so verrückt, dass der Tieflader passieren konnte. Dazu musste eine Fahrspur für etwa zwei Stunden gesperrt werden. Doch die Weiterfahrt verzögerte sich wiederum: Zwischenzeitlich war unklar, ob der Transport nicht zu schwer für die Autobahnbrücke Winchenbachstraße war. Es fehlte eine Sondergenehmigung der Bezirksregierung. Um 12:40 Uhr wurde die dann doch erteilt. Der Verkehr hatte sich zu diesem Zeitpunkt auf sechs Kilometern gestaut.

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Die Brackener Anwohner zeigten sich neugierig. Foto: M. Schroeder

Mit siebenstündiger Verspätung traf die Brücke schließlich um kurz nach 14 Uhr in Nächstebreck ein. Auf der Brücke Wittener Straße und auf der Straße Junkersbeck / Bracken hatten sich bereits mehrere hundert Schaulustige versammelt; das beschauliche Örtchen im Wuppertaler Nordosten hatte einen derartigen Hochbetrieb wohl seit Jahrzehnten nicht erlebt. Manch Hartgesottener hatte gar seit 7 Uhr morgens an der Baustelle ausgeharrt, um den entscheidenden Moment des Einhubs nicht zu verpassen.

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Um 17 Uhr war der Lückenschluss geschafft. Foto: M. Schroeder

Der Tieflader fuhr am ehemaligen Bahnübergang Linderhauser Straße auf die Trasse und rangierte von dort rückwärts zur Böschung. Zwei Kräne hoben die Konstruktion Zentimeter für Zentimeter an ihren Platz. Dabei musste an der ein oder anderen Stelle ein wenig nachgebessert werden, weil die Brückenköpfe nicht so recht in das dafür vorgesehene Fundament passen wollten. Um 17 Uhr war es vollbracht: Die Brücke lag auf, die Abspannseile wurden entfernt.

Am Samstag, 25. April, folgen nun noch die Einschalarbeiten für die Brückenverankerung, für deren Dauer die Straße Bracken gesperrt bleiben muss. Ab Montag wird betoniert. Der Beton muss anschließend drei bis vier Wochen aushärten. Erst dann kann die Brücke freigegeben werden und der Lückenschluss ist endgültig geschafft!

Titelbild: Mario Schroeder

von Mario Schroeder