Per Draisine die Trasse entdecken

Per Draisine die Trasse entdecken

Mittwoch, den 3. Oktober 2018 um 12:16

Von Manuel Praest, WZ-Artikel

Rolf Dellenbusch und seine Mitstreiter sorgen für den Betrieb am Loh – und freuen sich auch über viele Gäste von außerhalb.
Schwarzfahren gilt nicht. „Die Fahrscheine bitte“, ruft Rolf Dellenbusch und lacht. Kurz angehalten, das Stück Pappe aus der Geldbörse geholt, Stempel mit Datum drauf, und die Besucher haben ihr Andenken an ein ganz besonderes Trassenerlebnis: Die Fahrt mit der Draisine. Vom Bahnhof Loh geht es bei schönem Wetter mehrmals in der Woche los. Ein Vergnügen, das längst über Wuppertals Grenzen hinaus bekannt ist.


„Werbung brauchen wir gar nicht“, sagt Rolf Dellenbusch von der Arbeitsgruppe (AG) Eisenbahngeschichte in der Wuppertalbewegung. „Das hat sich einfach rumgesprochen.“ Eigentlich sei es vor Jahren nur darum gegangen, zumindest einen kleinen Teil der Gleise und damit den Bahncharakter der Trasse zu erhalten. Der Großteil der Schwellen war damals nämlich schon entsorgt worden. „Das hier ist mit der letzte Bereich, wo noch Gleise liegen“, erklärt Dellenbusch.
Die Jungfernfahrt mit der Draisine absolvierten die Mit­glieder am 5.Juni 2010, als das erste Teilstück der Nordbahn­trasse eingeweiht wurde. Ei­gentlich waren Fahrten von da an nur ein paar Mal im Jahr ge­plant. Die Nachfrage war aber so groß, dass daraus eine regelmä­ßige Einrichtung wurde – und der AG kaum noch Zeit für an­dere Aufgaben bleibt.
Denn alles laufe ehrenamt­lich, betont Dellenbusch. Auch die Fahrten sind umsonst, man freue sich aber natürlich über Spenden. Wichtig sei die Au­thentizität, betonen die Mit­glieder. Dazu gehören eben die originalgetreuen Fahrscheine ebenso wie ein an die DB-Plä­ne erinnernder großer gelber Fahrplan im Schaukasten am Bahnhof oder Lautsprecher­durchsagen: „Vorsicht an Gleis 3, der Zug fährt durch“.
Der Service, gerade vor Fahrtantritt, dürfte aber deut­lich besser sein als bei der Deut­schen Bahn. Monika Reusch und Renate Fischer kümmern sich um die Besucher, die zum Bei­spiel am Bahnsteig warten müs­sen. ,,Wir sind die Hostessen“, sagen die beiden schmunzelnd.
Die Vorbereitungen der Fahrt gehen gut und gerne eine Stun­de vor Fahrtbeginn los – in den Tiefen des Bahnsteigs. Unter der Klappe, wo einst die mitt­lerweile zugeschüttete Fußgän­gerunterführung vom Bahnhof Loh endete, ist zum Beispiel In­fomaterial zur Nordbahntrasse und der Draisine gelagert.

Ideen für die Zukunft: Draisinen im E-Betrieb
„Viele Wuppertaler, die Be­such von außerhalb haben, ge­hen mit ihm Draisinefahren“, erklärt Dellenbusch. Aus Eng­land waren zum Beispiel neu­lich Mitfahrer dabei. Und ein Jungesellinnenabschied mach­te auch schon am Loh Station, überhaupt werde das Angebot super angenommen.
Unterwegs müssen die Fah­rer immer wieder winken, vor allem Kindern. „Die finden das natürlich auch ganz toll, selbst zu fahren – und das gan­ze Drumherum.“ Da die Stre­cke mehrere Gleise umfasst, ist zum Beispiel das Weichenstel­len vonnöten. „Läuft heute but­terweich“, ruft Norbert Fischer, einer der Mitstreiter.
Die Draisine, die in einer Garage schräg gegenüber des alten und mittlerweile zum Schmuckstück umgebauten ehemaligen Stellwerks Loh ge­parkt wird, wurde vor Jahren durch die Firma Schaeffler ge­baut, extra angepasst an die Be­dürfnisse der AG. Das umständ­liche Umheben des Fahrzeugs etwa entfällt. „Unsere kann in beide Richtungen fahren“, ist Dellenbusch froh.
Hin und zurück sind es zusammen gut drei Kilometer, zwei Mitfahrer müssen immer in die Pedale treten. Ein großer Spaß – aber durchaus anstren­gend. Wer glaubt, Bahntrassen seien eher nicht steil, wird ei­nes Besseren belehrt. „Meistens wird sich deshalb abgewech­selt“, erklärt Siegfried Sprin­gorum von der Arbeitsgruppe.
Denn die Steigung ist nicht ohne. „20 Höhenmeter auf 730 Metern Strecke.“ Die merkt man recht schnell in den Beinen. Die Rückfahrt entschädigt aber für mögliche Strapazen, denn bergab nimmt die gut 800 Ki­logramm schwere Draisine or­dentlich Fahrt auf – ohne dass jemand nachhelfen muss.
Für die Zukunft haben Del­lenbusch & Co. noch einige Pläne. Der Fuhrpark soll zum Bei­spiel vergrößert werden. Vor­ausschauend hat man die Ga­rage schon etwas größer an­gelegt. Und möglicherwei­se soll die neue Draisine dann im E-Betrieb laufen. Wobei: Ein kleines bisschen Anstrengung darf ja nicht fehlen, darin sind sich die Mitglieder der Arbeits­gruppe einig.

von Yvonne Schmitz