Verspätung der Brücke Bracken

Verspätung der Brücke Bracken

Samstag, den 25. April 2015 um 20:00

Warum verspätete sich die Brücke Bracken am Freitag um geschlagene sieben Stunden? Oder: Warum dauern manche Dinge so unverständlich lang? Auf den letzten Kilometern vor dem Ziel kamen drei entscheidende Verzögerungen zusammen. Die Chronik einer beschwerlichen Reise.

Verzögerung 1 (10 Stunden)

2:30 Uhr

Der Schwertransport mit Überbreite kommt in Wuppertal an die Varresbeck und passt nicht durch die auf zwei einspurige Bahnen verengte Baustelle. Auf der rechten Fahrspur (LKW-Spur) stehen rot-weiße Warnbaken im Weg. Diese hätten für die Dauer des Transportes umgelegt bzw. etwas auf die Seite geschoben werden müssen. Der Transport parkt zwischen den beiden Fahrspuren.

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Die Warnbaken an der Baustelle Varresbeck werden zur Seite bewegt. Foto: C. Gerhardt

Dann passiert vor Ort über 10 Stunden lang nichts. Für die Fahrer des Schwertransportes und der Begleitfahrzeuge heißt es warten. Am Vormittag stehen etwa 20 Behördenvertreter, Mitarbeiter der Transportfirma und weiterer Firmen auf der Autobahn um den Konvoi versammelt und warten auf die Freigabe zum Umlegen bzw. Verschieben der Baken und zur Weiterfahrt. Die offizielle Transportgenehmigung ist seit sechs Stunden in der Früh abgelaufen.

12:40 Uhr

Es kommt die Freigabe zur Weiterfahrt.

12:43 Uhr

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Nach der Weiterfahrt kommt es auf der A46 zu einem kilometerlangen Rückstau. Foto: M. Schroeder

Der Transport fährt weiter – vor dem Schwerlaster werden die Baken umgelegt oder etwa einen Meter zur Seite gestellt, nach ihm werden sie wieder aufgestellt. Die Passage der Baustelle dauert 20 Minuten. Da in dieser Zeit nicht nur die Fahrzeuge hinter dem Schwertransport nur Schrittgeschwindigkeit fahren können, sondern auch die linke Fahrspur (zwei Fahrspuren entfernt) von der Polizei auf Schrittgeschwindigkeit herabgebremst wird, kommt es auf der A46 zu einem kilometerlangen und über Stunden andauernden Rückstau bis nach Haan.

14:05 Uhr

Die Brücke erreicht ihren Bestimmungsort in Bracken (einschließlich noch eines Frühstückstopps an der Raststätte Sternenberg).

Verzögerung 2 (etwa 1 Stunde)

Die Entladung verzögert sich um rund eine Stunde, weil ein Statiker fehlt, der die Befestigung der Kranseile an der Brücke freigeben soll. Das Abheben vom Transporter mit Hilfe der ursprünglich geplanten Transporttraversen klappt nicht. Rund drei Dutzend Arbeiter, Ingenieure, Kranfahrer etc. müssen tatenlos warten. Schließlich wird die Brücke zunächst nicht an den dafür vorgesehenen und montierten Traversen angehoben, sondern mit Schlingen, die direkt an der Konstruktion selbst befestigt werden.

Verzögerung 3 (30 Minuten)

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An den Armierungseisen muss kurzfristig nachgebessert werden. Foto: M. Schroeder

Zur letzten Verzögerung kommt es beim Einsetzen selbst, weil ein Dutzend Armierungseisen (1-2 cm Dicke) im Weg sind, die erst mit einem Winkelschleifer entfernt werden müssen.

Fazit

Verzögerung 2 und 3 hätten bei besserer Planung und Bauaufsicht vor Ort sicher vermieden werden können.

Verzögerung 1 wäre vermeidbar gewesen, wenn an verantwortlicher Stelle – wo auch immer die ist – jemand einmal eine Minute darüber nachgedacht hätte, ob ein Transport mit Überbreite durch eine auf zwei separate einspurige Fahrspuren verengte Baustelle passt, die so im Übrigen ja schon Monate lang an der Stelle besteht. Verzögerung 1 hätte nach Eintreten wenigstens noch deutlich verkürzt werden können, wenn sich welche auch immer verantwortliche Stelle(n) in weniger als 10 Stunden zur Erlaubnis hätte(n) durchringen können, die im Wege befindlichen Baken kurzzeitig zur Seite zu stellen und den Transport passieren zu lassen – Wegstellen, Passieren und Wiederhinstellen dauerte schließlich nur 20 Minuten und alles, was benötigt war, waren ein paar Hände. Keine Maschinen. Nichts.

von Carsten Gerhardt