Erster Nationaler Radtourismus-Kongress in Duisburg

Erster Nationaler Radtourismus-Kongress in Duisburg

Donnerstag, den 7. November 2019 um 17:44

Premiere in beeindruckender Kulisse: Am 23. und 24. Oktober hatten ADFC und Ruhr Tourismus GmbH zum 1. Nationalen Radtourismus-Kongress geladen. Neben aktuellen Trends und Innovationen im Radtourismus, ging es um sein Potenzial für die Verkehrswende.

Momentan hat der Radtourismus einen Anteil von etwa 10 % des gesamten Aufkommens. Rund 5,5 Mio. Menschen haben im letzten Jahr eine Radreise unternommen. Es geht nun verstärkt darum, diesen Boom zu weiterem Ausbau zu nutzen. Die Gäste sollen wiederkommen.

Als Voraussetzung dafür wurden einheitliche Standards mit einer hohen Qualität erkannt. Sowohl in NRW als auch im Bund. Dafür soll eine Koordinierungsstelle eingerichtet werden. Dies erfüllt eine langjährige Forderung des ADFC.

Impulse für die Verkehrswende

Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhr Tourismus GmbH, sprach über Meilensteine wie den RuhrtalRadweg und die Römer-Lippe-Route, die das Ruhrgebiet im radtouristischen Bereich bereits vorzuweisen hat. „Wir können den Leuten was bieten“, sagte er. „Es ist unsinnig zwischen Alltags- und Freizeitradverkehr zu trennen. Wichtig ist, den Menschen das Fahrrad als bestes Verkehrsmittel in den Weg zu stellen“, sagte Jens Joost-Krüger von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Er stellte das Projekt „Bremen BIKE IT!“ vor, das mit Partnern aus dem Kulturbereich und verschiedenen Formaten Menschen dazu animieren will, in der Stadt Rad zu fahren. So soll das Radfahren selbst als Form städtischer Kultur etabliert werden. Ist das Radfahren im Stadtbild verankert, seien auch Infrastrukturmaßnahmen leichter durchzusetzen, so Joost-Krüger.

Wolfgang Aichinger von der Agora Verkehrswende sprach über Werte und Routinen, die es neu zu etablieren und aufzubrechen gilt. Noch stehe das Auto zu sehr im Fokus.

Ein gutes Beispiel wie Synergien zwischen Alltag und Freizeit genutzt werden können, zeigte Thomas Vielhaber von der Stadt Arnsberg. Die Stadt im Sauerland hat die Eröffnung des RuhrtalRadwegs zum Anlass genommen, etwas für den Radverkehr zu tun, um zu einem interessanten Etappenziel für Reisende auf dem Radfernweg zu werden – und so auch attraktiver für den Alltagsradverkehr.

Lutz Eßrich berichtete, wie die Wuppertalbewegung es in Eigeninitiative und mit breiter ehrenamtlicher Unterstützung der Bevölkerung erreicht hat, die NORDBAHNTRASSE als Freizeit- und Alltagsweg zu reaktivieren. Sie stellt die „Blaupause“ für die Radfernwege NRW dar. Und der private Verein schafft es, trotz der langen Projektlaufzeit auch heute noch, die Bevölkerung zur Mitarbeit zu motivieren und an schönen Tagen mehr als 17.000 Gäste zu begrüßen. Die Infrastruktur dafür wird kontinuierlich ausgebaut.

Tausende identifizieren sich mit „Ihrer“ Strecke und arbeiten in unterschiedlichen Funktionen freiwillig mit. Dies ist nach unserem Kenntnisstand immer noch unser Alleinstellungsmerkmal in Deutschland.

Diese Erfolgsgeschichte geht mit der Verlängerung „Schwarzbachtrasse“ im Frühjahr weiter.

Der Schauspieler und leidenschaftliche Radfahrer Michael Kessler stimmte das Publikum mit unterhaltsamen Einblicken aus seinen Expeditionen auf den weiteren Kongress ein. Er selbst trenne nicht zwischen Freizeit- und Alltagsradverkehr und finde, dass das Fahrrad in seiner ursprünglichen Form eine super Erfindung sei.

von Christa Mrozek